<bgsound src="../sounds/jukebox/i_swear.mid" loop="-1">WEBCounter by GOWEB Bahnfahrt - ein etwas anderes Märchen


Es war einmal - so fangen alle Märchen an, so fing auch ein anderes Märchen, das man landläufig "Liebe" nennt. Von einem Augenblick auf den anderen überrannte sie einen jungen, eben noch fest auf beiden Beinen stehenden Mann und legte ihn flach. Wie eine Dampfwalze rollte die Welle der Gefühle durch seine Gedanken, glücklicherweise zu einem Zeitpunkt, als er sich damit auseinandersetzen und auch wieder aufstehen konnte.

Anfangs zögerte sie noch, dann stieg sie mit auf den fahrenden Eilzug der Gefühle - bis der erste Kontaktversuch zeigte, daß sie in verschiedenen Waggons des selben Zuges saßen. Immer noch fuhren sie auf dem selben Gleis, immer noch in die selbe Richtung, aber nun wußten sie, daß es verschiedene Waggons waren.

Beide versuchten, während der Fahrt umzusteigen, doch irgendwo war da noch ein Schaffner, der die Türen zwischen den Waggons unbarmherzig verschlossen hielt. Immer wieder streckten sie den Kopf aus dem Fenster, ließen sich den Fahrtwind der Sehnsucht durch die Haare streichen, in die Ohren dringen und ihre Gedanken durcheinander wirbeln.

Bis der erste Tunnel kam.

In seinem Abteil wurde es finster, nur eine kleine Kerze spendete noch etwas Licht - er klammerte sich an ihr fest, um nicht ganz in der Dunkelheit zu stehen. Der Tunnel war lang und die Dunkelheit einsam, so kam es, daß er nach mehr Licht suchte. Er schaltete die Deckenbeleuchtung ein, doch das Ganglicht wurde hell. Also öffnete er die Türe, um hinaus zu gehen. Dadurch wurde jedoch ein anderer Schalter betätigt, der das Licht wiederum zum erlöschen brachte.

So setzte sich das den ganzen langen Tunnel fort, da der Elektriker offenbar gewaltig gepfuscht hatte. Über die Suche nach mehr Licht in diesem Zug übersah er jedoch ganz, daß der Tunnel schon längst zu Ende war und der Zug neuerlich angehalten hatte - er bemerkte auch nicht, als dieser sich wieder in Bewegung setzte.

Erst nach dem nächsten Tunnel fiel ihm auf, daß das Licht inzwischen durch die Fenster hereindrang und der Tunnel schon lange zu Ende war. Der junge Mann stürzte zum Fenster und streckte seinen Kopf hinaus. Da der Zug sehr langsam unterwegs war, konnte der Wind auch nicht seine Gedanken verblasen - so bemerkte er sofort, daß weiter vorne niemand mehr da war.

Verzweifelt rief er gegen den Wind, aber niemand meldete sich. In seiner Tasche hatte er sogar eine Leuchtpistole, mit der er die Aufmerksamkeit erregen wollte - aber sie bemerkte es nicht. Der Zug wurde wieder schneller und immer schneller, so daß er schließlich sogar Angst bekam - aber ihr Kopf erschien nicht wieder am Fenster. Und auch kein Bahnhof kam - keine Stoppsignal - nur der Zug fuhr immer weiter auf den Schienen der Zeit.

So kam es, daß er weiterhin in dem Zug sitzen und warten mußte, daß der nächste Bahnhof kommt, um auszusteigen und nach vorne zu gehen - um zu wissen, ob sie noch da ist - oder ob sie den Zug schon längst verlassen hat, ohne ihm etwas davon zu sagen.

Und wenn er nicht gestorben ist, so fährt er wohl noch heute und wartet auf den nächsten Bahnhof....



GF © 21.11.1996

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